Montag, 26. September 2011

Die Zwerge


Die Zwerge
von Markus Heitz

Krieg steht dem Geborgenen Land bevor. Orks, Albae und schlimmere kommen aus dem Toten Land und überrennen das Zwergenreich der Fünften.
Zur gleichen Zeit wird der Zwerg Tungdil, der bei dem Magier Lot-Ionan aufwuchs, auf eine Reise geschickt, die sein Leben gehörig auf den Kopf stellen soll. Er sieht sich nicht zur zum ersten mal mit Albae und Orks konfrontiert und er trifft zu seiner großen Freude auch endlich andere Zwerge. Derweil erhebt sich aus dem inneren des Geborgenen Landes eine unheimliche Gefahr, Nôd'onn der Zweifache. Einer alten Schriftrolle zufolge gibt es nur eine Waffe, die ihn besiegen kann und um diese herzustellen, braucht es die besten Handwerker der Zwerge und eine lange Reise mit unzähligen Hindernissen.
Bevor die Geschichte richtig los geht, muss auch der Leser kämpfen. Und zwar gehen mehr als 150 Seiten schleppenden Text. Dann jedoch bekommt die Handlung Fahrt und Witz. Die Charaktere sind lebendig umzeichnet und auch die verschiedenen Völker wirken durchdacht und natürlich. Die Welt ist sehr komplex, da der Handlungsort aber nicht allzu oft abrupt wechselt, kann man gut folgen. Es gab einige Szenen die vielleicht nötig, aber eher langweilig waren. Dazu gehört eine Besprechung menschlicher Heerführer, die man kürzer hätte fassen können und viele der Kämpfe. Für mich ging schon nach geschätzt der Hälfte des Buches ein Teil der Spannung verloren, weil ich das Ende vorhersehen konnte. Dazu kam Frustration über die Helden und vor allem Tungdil, den „Gelehrten“, der schlicht zu blöd war, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
(Kleiner Spoiler: Ich spreche vom Feind der Zwerge in der Schriftrolle und wer damit schließlich gemeint war.)
Im grandiosen Finale blieb mir nur ein müdes „Na also, geht doch.“ und die Überraschung sowie der Schreck über das scheinbar verlorene Unterfangen blieben aus, da ich den Wendepunkt genau so erwartete, wie er schließlich kam. Ein weiterer Minuspunkt ist, das man die Zwerge sehr leicht verwechselt, weil alle ihre Namen alle mit G oder B beginnen und natürlich ähnlich klingen. Das hebt Tungdil, der einen Menschennamen hat, zwar noch mehr von den anderen ab, ist aber vor allem Anfangs sehr verwirrent.
Im Grunde liest sich „Die Zwerge“ aber gut und ist auch unterhaltsam, wenngleich es mich nicht so packte wie manch anderes. Ich habe das Buch auf Empfehlung zweier Freunde gelesen, zu deren Lieblingsbüchern es gehört. Möglich ist, dass es allgemein bei männlichen Lesern besser ankommt, da diese vielleicht von den Schlachten mehr angesprochen werden und eine weibliche Bezugsperson gänzlich fehlt. Balindys und Namora bleiben mit ein wenig schleierhaft und sind mir nicht klar genug charakterisiert um ein wirkliches Bild von ihnen zu haben. Andôkai ist schlicht ein Mannweib.
Auch bei einigen anderen Figuren hatte ich nicht das Gefühl, sie wirklich kennen zu lernen. Und das obwohl Tungdil, aus dessen Innensicht meist erzählt wird, diese Charaktere sehr wohl kennen lernt.
Ich empfehle das Buch unter Vorbehalt. Wer gern über Kampfgetümmel und kleine sture Leute mit Bärten liest, dem sollte es gefallen. Wem die Rettung der Welt zu episch ist, der sollte sich vielleicht nach etwas anderem umsehen. Mich hat es nicht wirklich berührt, obwohl ich Markus Heitz eigentlich mag und ich werde bis auf weiteres die Finger von den Folgebänden lassen.


EUR 14,95
Taschenbuch: 640 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-10: 3492700764
ISBN-13: 978-3492700764